Jugendstil und Historismus
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Die Prager Neustadt

Ein Projekt von
Sabine Meißner, Mandy Busch, Nicole Scheibe, Julia Schuster, Kristina Brieger
(MT 98 A)


Inhaltsverzeichnis

1. Der Wenzelsplatz
2. Das Denkmal des heiligen Wenzel
3. Das Nationalmuseum
4. Neues Parlament und Staatsoper - Hotel Europa
5. Der Lucerna Palast - Das Wiehl Haus
6. Am Jungmannplatz
7. Die Nationalstraße
8. Das Nationaltheater
9. Entlang dem Moldauufer
10. St.Kyrill und Method
11. Der Karlsplatz - Das Fausthaus
12. St. Ignatlus - Das Neustädter Rathaus
13. Das U Fleku


Der Wenzelsplatz
Der Wenzelplatz

Der WenzelsplatzNach oben

Der Wenzelsplatz (VacIavske namesti) hat zwei Gesichter, ein weltstädtisch-elegantes am Tag, ein schrill-erotisches in der Nacht: An keiner anderen Stelle zeigt das "Mütterchen Prag" so deutlich wie hier, daß sie auch eine Frau sein kann, die durchaus eine Sünde wert ist. Tagsüber ist davon wenig zu spüren. Dann wimmelt der Wenzelsplatz von Schaulustigen aus aller Welt, die einen Einkaufsbummel machen oder einfach nur relaxen wollen.

Der Wenzelsplatz war stets der bedeutendste politische Versammlungsort der Republik, er war der Schauplatz von Massendemonstrationen und großen Kundgebungen. Mit seinen 750m Lange und 60m Breite macht er heute mehr den Eindruck eines Boulevards, dessen Optik von Hotels Boutiquen, Kinos und Theatern bestimmt wird.

Als Herzstück der von Karl IV. 1348 gegründeten Neustadt angelegt, war er zunächst Treffpunkt der Pferdehändler. Daher auch der ursprüngliche Name Rossmarkt. Seinen jetzigen Namen erhielt der Platz 1848. Bis 1875 bildete die Stadtmauer mit dem Rosstor seine südliche Begrenzung, dann mußte sie dem Bau des monumentalen Nationalmuseums weichen.

An seinem nördlichen Ende bildet der Platz das sogenannte "Goldene Kreuz". Hier haben sich die wichtigsten Banken und Versicherungen des Landes niedergelassen.

 Das Denkmal des heiligen Wenzels
Das Denkmal des heiligen Wenzels

Das Denkmal des heiligen WenzelsNach oben

Der Ort, der hinsichtlich der jüngeren Landesgeschichte mit den stärksten nationalen Emotionen verbunden ist, ist zweifellos das Denkmal des heiligen Wenzel (Pomnik sv. Vaclava) am oberen Platzende vor dem Nationalmuseum. Hier feierten die Prager 1918 den Gründungstag der selbstandigen Tschechoslowakei, hier fanden 1968 die Demonstrationen gegen die Okkupation des Landes durch die Truppen des Warschauer Pakts statt und hier ist auch die Gedenkstätte für die Opfer der kommunistischen Herrschaft. Das Reiterdenkmal des Landespatrons wurde 1912 von Josef Vaclav Myslbek geschaffen. Bis 1879 stand in der Mitte des Platzes das barocke Reiterstandbild des hl. Vaclav, das heute auf dem Vysehrad zu sehen ist.

Das NationalmuseumNach oben

Überragt wird das Denkmal des hl. Wenzel von der baulichen Dominante des gesamten Platzes, dem Nationalmuseum. Das im Stil der Neorenaissance errichtete Gebäude, dessen Fassade vermutlich der Ostfassade des Pariser Louvre nachempfunden ist, entstand nach Plänen von J. Schulz zwischen 1885 und 1890. bie Eingangshalle, die Treppenhäuser, die Galerien und vor allem die Kuppel zieren Gemälde zur nationalen Geschichte sowie Büsten bedeutender Tschechen.

Mit der Zusammenstellung der einzelnen Sammlungen des Museums wurde bereits 1818 begonnen. Nach der jahrhundertelangen Unterdrückung der Tschechen wollten führende Wissenschaftler so das Nationalbewußtsein wieder erwecken. Heute sind im Museum u.a. die naturwissenschaftliche und die historische Sammlung ausgestellt.

Neues Parlament
Neues Parlament

Die Staatsoper
Die Staatsoper

Neues Parlament und StaatsoperNach oben

Nordöstlich schließen sich zwei bedeutende Bauten an das Museum an, das neue Parlamentsgebaude, seit der Auflösung der Tschechoslowakei Sitz von Radio Freies Europa, sowie die neoklassizistische Staatsoper (vormals: Smetana Theater). Das Repertoire der von den Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Herman Helmer als "Neues Deutsches Theater" errichteten Bühne, die 1888 eröffnet wurde, umfaßt vor allem Werke des Musiktheaters.

Hotel EuropaNach oben

Zu den meistfotografiertesten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört zweifellos das prächtige Jugendstilhotel Europa (Nr.25), ebenfalls auf der rechten Platzseite gelegen. Hinter der schweren Drehtür glaubt man sich um hundert Jahre zurückversetzt, in eine Welt pompöser Dekadenz und prachtvoller Kitschentfaltung. Das Haus war in den 2Oer Jahren der Treffpunkt der Boheme. Im Hotel sind heute aber meist Jugendgruppen untergebracht. Die Zimmer, die den Charme der Jahrhundertmitte ausstrahlen, warten geduldig auf eine umfassende Modernisierung.

Der Lucerna PalastNach oben

Gegenüber dem Hotel Europa liegt der Lucema Palast(Nr.38), der zwischen 1912 und 1916 von Vaclav Havel, einem Onkel des jetzigen Staatsprasidenten errichtet wurde. Der riesige Gebäudekomplex, die erste Eisenbetonkonstruktion Prags, bescherte der Hauptstadt ein neues gesellschaftliches Zentrum. In dem prächtigen
dreigeschossigen Saal fanden Silvesterbälle, aber auch Parteitage der Kommunisten statt. 1997 verkaufte Vaclav Havel die gesamte Anlage gegen den Willen seines Bruders an die Firma Chemapol

Das Wiehl HausNach oben

Das neugotische Wiehl-Haus (Wiehluv dumn; Nr.34) stammt von 1896. Vom Balkon des Melantrich-Hauses (Nr.36) hielt Vaclav Havel im November 1989 die Ansprache, die das Signal zum Sturz des alten sozialistischen Regimes setzte. Eine Oase der Ruhe am stets pulsierenden Wenzelsplatz bietet der Franziskanergarten, den man durch die Passage des konstruktivistischen Alfa-Palasts (Nr.28) erreicht. Hier befindet sich auch der Eingang zum berühmten
Kabarett "Semafor". Daneben steht das barocke Hotel Adria (Nr.26), das älteste erhaltene Gebäude am Wenzelsplatz.

Kirche "Maria im Schnee"
Kirche "Maria im Schnee"

Am JungmannplatzNach oben

Westlich des Wenzelsplatz liegt der kleine Jungmannplatz (Jungmannovo namesti). Wer einen Eindruck von dem erhalten will, was Karl IV. eigentlich an diesem Platz vorhatte, muß die Kirche "Maria im Schnee" (Kostel Panny Marie Snezne) besuchen. Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein beherrschte ihr riesiger Baukörper die Silhouette der Neustadt, dann wurde der Blick auf sie durch Neubauten verstellt. Geplant war ursprünglich eine Kathedrale, die die Dimensionen des St.-Veits-Doms noch übertreffen sollte. Verwirklicht wurde nur das 35m hohe Schiff, die Hussitenkriege verhinderten die Weiterarbeit. Jan Zelivsky, der Wortführer des radikalen Hussitenflügels, rief von hier seine Anhänger zum Marsch auf das Neustätter Rathaus auf, der mit dem ersten Prager Fenstersturz endete.

Die NationalstraßeNach oben

Die Nationalstraße (Narodni trida), die wie die Grabenstraße über dem zugeschütteten Stadtgraben errichtet wurde und zur Moldau führt, gehört zu den markantesten Flaniermeilen der Stadt. Galerien, Boutiquen und Feinkostläden bestimmen ihr Bild. Die Ecke zur Jungmannova beherrscht der wuchtige Palast Adria, ein venezianischen Palästen nachempfundener Mehrzweckbau, der zwischen 1923 und 1925 errichtet wurde. Das gegenüberliegende Empiregebäude das Haus Platyz war das erste Prager Mietshaus. Zwischen 1840 und 1846 konzertierte hier Franz Liszt. Das einzige sakrale Ensemble dieser Straße bildet das Kloster St. Ursula mit der nach Entwürfen von M. A. Canevale (1702-1704) errichteten Barockkirche.

Den Abschluß dieser Straßenseite bilden zwei Neorenaissancebauten: der Sitz der Akademie der Wissenschaften und das Eckgebäude an der Legionsbrücke.

Das Nationaltheater
Das Nationaltheater

Das NationaltheaterNach oben

Die eigentliche städtebauliche Dominante der Nationalstraße ist das gegenüber dem Cafe Slavia liegende Nationaltheater (Narodril divadlo) mit seinem modernen Erweiterungsbau, der Neuen Szene (Nova Scena) - das Symbol der tschechischen nationalen Wiedergeburt schlechthin. Der Grundstein wurde eigens aus dem Gestein des Berges Rip, dem mythischen Stammsitz des Urvaters Cech, gemeißelt. Am 15.Juni 1883 erlebte das von Josef Zitek entworfene Theater mit Smetanas Oper "Libuse" seine triumphale Eröffnung, doch bereits im August desselben Jahres fiel es einem Brand zum Opfer. Kaum zwei Jahre später war es wieder aufgebaut. Die finanziellen Mittel für den Bau wurden zum größten Teil durch private Spenden aufgebracht. Doch während man beim ersten Mal Jahrzehnte für die Sammlung gebraucht hatte, flossen die Spenden beim zweiten Anlauf schneller. Die trotzigen Tschechen wollten beweisen, daß sie in der Lage waren eine Bühne zu finanzieren, auf der in ihrer Sprache gesprochen wurde, und so steht an der Front des Gebäudes "Narod sobe" - "Die Nation sich selbst".

Dank geschickter Restauratorenhände präsentiert sich das Nationaltheater heute wieder wie an seinem Eröffnungstag.

Das Manes-Haus
Das Manes-Haus

Entlang dem MoldauuferNach oben

Von der Legionsbrücke eröffnet sich ein überwältigendes Panorama: Flußabwärts reicht der Blick von Smetana-Ufer mit dem Smetana-Museum über die Karlsbrücke und die Kleinseite bis zum Hradschin mit dem majestätischen St.-Veits-Dom; flußaufwärts bis zum Vysehrad, dem sagenumwobenen Stammsitz der Stadtgründerin Libuse. Der Mittelpfeiler der Legionsbrücke ruht auf der Schützeninsel (Strelecky ostrov), auf der im Mittelalter die Schützenhilfe ihre Wettbewerbe auszutragen pflegte. Kaum weniger geschichtsträchtig ist die nur wenige Meter flußaufwärts gelegene Slawische Insel (Slovansky ostrov), 1848 wurde hier der Slawenkongress abgehalten. Auf der Slawischen Insel gibt es heute ein pompöses Ballhaus sowie einen weitläufigen Biergarten, in dem an Sommerabenden schon mal ein Spanferkel über offenem Feuer gegrillt wird.

Die Moldaupromenade wird von prächtig geschmückten Bürgerpalais im Stil des Ekklektizismus und der Sezession gesäumt. Bis 1930 stand am Masaryk-Ufer (Masarykovo nabrezi) auch die Sitka-Wassermühle, von der nur noch der Turm übrig geblieben ist. An ihrer Stelle wurde das Manes-Haus benannt nach dem Landschaftsmaler Josef Manes (1820-1871) errichtet, das den bedeutendsten Ausstellungssaal Prags für moderne Kunst beherbergt.

St.Kyrill und MethodNach oben

Die Resslova führt zum Karlsplatz (Karlovo namesti), vorbei an der Kirche St, Kyrill und Method. Das Gotteshaus erlangte 1942 traurige Berühmtheit: Die tschechischen Fallschirmspringer, die wenige Tage zuvor das tödliche Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich ausgeführt hatten, versteckten sich in der Kirche. Der Unterschlupf der Widerstandskämpfer wurde verraten, den Nazis gelang es dennoch nicht, ihrer habhaft zu werden. Als sie die Kirche unter Wasser setzten, begingen die Verfolgten Selbstmord. Bis heute ist ein kleines Fensterchen an der Kirchenfront zur Resslova mit frischen Blumen geschmückt, die an die Toten erinnern.

Der KarlsplatzNach oben

Mit 500m Länge und 150m Breite ist der Karlsplatz (Karlovo namesti) der größte Platz Prags. Er spielt eine zentrale Rolle bei der städtebaulichen Vision Karls IV. In seiner Mitte ließ der Kaiser einen (nicht erhaltenen) Holzturm errichten, in dem jedes Jahr die Krönungskleinodien und seine Requiensammlung ausgestellt wurden.

Das FausthausNach oben

Am Südrand des Platzes, an der Straße Vysehradska, steht das sogenannte Fausthaus (Faustuv dum; Nr.40), ein Bau der Spätrenaissance, der im 18. Jahrhundert barockisiert wurde. Seinen Namen hat es zwei Chemikern zu verdanken, die hier ihre Versuche durchführten: Edward Kelly und Ferdinand Antonin Mladota. Beide inspirierten den Volksmund zu der Legende, Dr. Faustus hätte in diesem Haus um der Entdeckung naturwissenschaftlicher Geheimnisse willen seine Seele dem Teufel verschrieben.

St. IgnatiusNach oben

Den wichtigsten sakralen Baukörper am Karlsplatz bildet die Kirche St. Ignatius (Kostel sv. Ignace) an der Ecke zur Jecna ulice. Erbaut wurde sie 1665 bis 1668 vom kaiserlichen Baumeister Carlo Lurago als Bestandteil eines Jesuitenkollegs (heute Poliklinik). Das Portal schmückt eine Statue des Namenspatrons. Das Innere besticht durch herrliche Stuckaturen.

Das Neustätter RathausNach oben

Dominierendes Bauwerk am Karlsplatz ist das Neustätter Rathaus (Novomestska radnice). Vermutlich um 1348 begonnen, erstreckte sich die Errichtung über mehrere Etappen. Der älteste Teil ist der Ostflügel mit den Ratsräumen. Es folgte der Südflügel mit den Amtsstuben, der im 16. Jahrhundert im Stil der Renaissance umgebaut wurde. Das gleiche Schicksal widerfuhr dem massiven Eckturm aus den Jahren 1451-1456. Eine umfassende Umgestaltung des Ensembles im Empirestil wurde 1906 rückgängig gemacht, so daß das Gebäude heute wieder das Aussehen von 1526 hat. 1419 trat das Rathaus durch den Ersten Prager Fenstersturz ins Rampenlicht der Geschichte.

Das U-Fleku
Das U-Fleku

Das U FlekuNach oben

In einer Gasse hinter dem Rathaus wartet ein Höhepunkt jeder Pragreise - das U Fleku, ein traditionsreiches Bierlokal mit schönem Innenhof. Das Prager Brauhaus begrüßt den Gast durch eine Uhr, auf der die Ziffern durch den Namen des Hauses ersetzt sind. Das hat einen guten Grund: Wer das erste süffige Dunkle hinter sich hat, braucht sich für den Rest des Tages nicht mehr viel vorzunehmen.

 


Ein Projekt
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Sabine Meißner
Mandy Busch
Nicole Scheibe
Julia Schuster
Kristina Brieger
(MT 98 A)

 

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