
Der Wenzelplatz
Der Wenzelsplatz
Der Wenzelsplatz (VacIavske
namesti) hat zwei Gesichter, ein weltstädtisch-elegantes am Tag, ein
schrill-erotisches in der Nacht: An keiner anderen Stelle zeigt das
"Mütterchen Prag" so deutlich wie hier, daß sie auch eine
Frau sein kann, die durchaus eine Sünde wert ist. Tagsüber ist davon
wenig zu spüren. Dann wimmelt der Wenzelsplatz von Schaulustigen aus
aller Welt, die einen Einkaufsbummel machen oder einfach nur relaxen
wollen.
Der Wenzelsplatz war stets
der bedeutendste politische Versammlungsort der Republik, er war der
Schauplatz von Massendemonstrationen und großen Kundgebungen. Mit
seinen 750m Lange und 60m Breite macht er heute mehr den Eindruck eines
Boulevards, dessen Optik von Hotels Boutiquen, Kinos und Theatern
bestimmt wird.
Als Herzstück der von Karl
IV. 1348 gegründeten Neustadt angelegt, war er zunächst Treffpunkt der
Pferdehändler. Daher auch der ursprüngliche Name Rossmarkt. Seinen
jetzigen Namen erhielt der Platz 1848. Bis 1875 bildete die Stadtmauer
mit dem Rosstor seine südliche Begrenzung, dann mußte sie dem Bau des
monumentalen Nationalmuseums weichen.
An seinem nördlichen Ende
bildet der Platz das sogenannte "Goldene Kreuz". Hier haben
sich die wichtigsten Banken und Versicherungen des Landes
niedergelassen.

Das Denkmal des heiligen Wenzels
Das Denkmal des heiligen Wenzels
Der Ort, der hinsichtlich
der jüngeren Landesgeschichte mit den stärksten nationalen Emotionen
verbunden ist, ist zweifellos das Denkmal des heiligen Wenzel (Pomnik sv.
Vaclava) am oberen Platzende vor dem Nationalmuseum. Hier feierten die
Prager 1918 den Gründungstag der selbstandigen Tschechoslowakei, hier
fanden 1968 die Demonstrationen gegen die Okkupation des Landes durch
die Truppen des Warschauer Pakts statt und hier ist auch die Gedenkstätte
für die Opfer der kommunistischen Herrschaft. Das Reiterdenkmal des
Landespatrons wurde 1912 von Josef Vaclav Myslbek geschaffen. Bis 1879
stand in der Mitte des Platzes das barocke Reiterstandbild des hl.
Vaclav, das heute auf dem Vysehrad zu sehen ist.
Das Nationalmuseum
Überragt wird das Denkmal
des hl. Wenzel von der baulichen Dominante des gesamten Platzes, dem
Nationalmuseum. Das im Stil der Neorenaissance errichtete Gebäude,
dessen Fassade vermutlich der Ostfassade des Pariser Louvre
nachempfunden ist, entstand nach Plänen von J. Schulz zwischen 1885 und
1890. bie Eingangshalle, die Treppenhäuser, die Galerien und vor allem
die Kuppel zieren Gemälde zur nationalen Geschichte sowie Büsten
bedeutender Tschechen.
Mit der Zusammenstellung der
einzelnen Sammlungen des Museums wurde bereits 1818 begonnen. Nach der
jahrhundertelangen Unterdrückung der Tschechen wollten führende
Wissenschaftler so das Nationalbewußtsein wieder erwecken. Heute sind
im Museum u.a. die naturwissenschaftliche und die historische Sammlung
ausgestellt.

Neues Parlament

Die Staatsoper
Neues Parlament und Staatsoper
Nordöstlich schließen sich
zwei bedeutende Bauten an das Museum an, das neue Parlamentsgebaude,
seit der Auflösung der Tschechoslowakei Sitz von Radio Freies Europa,
sowie die neoklassizistische Staatsoper (vormals: Smetana Theater). Das
Repertoire der von den Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Herman
Helmer als "Neues Deutsches Theater" errichteten Bühne, die
1888 eröffnet wurde, umfaßt vor allem Werke des Musiktheaters.
Hotel
Europa
Zu den
meistfotografiertesten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört zweifellos
das prächtige Jugendstilhotel Europa (Nr.25), ebenfalls auf der rechten
Platzseite gelegen. Hinter der schweren Drehtür glaubt man sich um
hundert Jahre zurückversetzt, in eine Welt pompöser Dekadenz und
prachtvoller Kitschentfaltung. Das Haus war in den 2Oer Jahren der
Treffpunkt der Boheme. Im Hotel sind heute aber meist Jugendgruppen
untergebracht. Die Zimmer, die den Charme der Jahrhundertmitte
ausstrahlen, warten geduldig auf eine umfassende Modernisierung.
Der Lucerna Palast
Gegenüber dem Hotel Europa
liegt der Lucema Palast(Nr.38), der zwischen 1912 und 1916 von Vaclav
Havel, einem Onkel des jetzigen Staatsprasidenten errichtet wurde. Der
riesige Gebäudekomplex, die erste Eisenbetonkonstruktion Prags,
bescherte der Hauptstadt ein neues gesellschaftliches Zentrum. In dem prächtigen
dreigeschossigen Saal fanden Silvesterbälle, aber auch Parteitage der
Kommunisten statt. 1997 verkaufte Vaclav Havel die gesamte Anlage gegen
den Willen seines Bruders an die Firma Chemapol
Das
Wiehl Haus
Das neugotische Wiehl-Haus (Wiehluv
dumn; Nr.34) stammt von 1896. Vom Balkon des Melantrich-Hauses (Nr.36)
hielt Vaclav Havel im November 1989 die Ansprache, die das Signal zum
Sturz des alten sozialistischen Regimes setzte. Eine Oase der Ruhe am
stets pulsierenden Wenzelsplatz bietet der Franziskanergarten, den man
durch die Passage des konstruktivistischen Alfa-Palasts (Nr.28)
erreicht. Hier befindet sich auch der Eingang zum berühmten
Kabarett "Semafor". Daneben steht das barocke Hotel Adria
(Nr.26), das älteste erhaltene Gebäude am Wenzelsplatz.

Kirche "Maria im Schnee"
Am Jungmannplatz
Westlich des Wenzelsplatz
liegt der kleine Jungmannplatz (Jungmannovo namesti). Wer einen Eindruck
von dem erhalten will, was Karl IV. eigentlich an diesem Platz vorhatte,
muß die Kirche "Maria im Schnee" (Kostel Panny Marie Snezne)
besuchen. Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein beherrschte ihr riesiger
Baukörper die Silhouette der Neustadt, dann wurde der Blick auf sie
durch Neubauten verstellt. Geplant war ursprünglich eine Kathedrale,
die die Dimensionen des St.-Veits-Doms noch übertreffen sollte.
Verwirklicht wurde nur das 35m hohe Schiff, die Hussitenkriege
verhinderten die Weiterarbeit. Jan Zelivsky, der Wortführer des
radikalen Hussitenflügels, rief von hier seine Anhänger zum Marsch auf
das Neustätter Rathaus auf, der mit dem ersten Prager Fenstersturz
endete.
Die Nationalstraße
Die Nationalstraße (Narodni
trida), die wie die Grabenstraße über dem zugeschütteten Stadtgraben
errichtet wurde und zur Moldau führt, gehört zu den markantesten
Flaniermeilen der Stadt. Galerien, Boutiquen und Feinkostläden
bestimmen ihr Bild. Die Ecke zur Jungmannova beherrscht der wuchtige
Palast Adria, ein venezianischen Palästen nachempfundener Mehrzweckbau,
der zwischen 1923 und 1925 errichtet wurde. Das gegenüberliegende
Empiregebäude das Haus Platyz war das erste Prager Mietshaus. Zwischen
1840 und 1846 konzertierte hier Franz Liszt. Das einzige sakrale
Ensemble dieser Straße bildet das Kloster St. Ursula mit der nach Entwürfen
von M. A. Canevale (1702-1704) errichteten Barockkirche.
Den Abschluß dieser Straßenseite
bilden zwei Neorenaissancebauten: der Sitz der Akademie der
Wissenschaften und das Eckgebäude an der Legionsbrücke.

Das Nationaltheater
Das Nationaltheater
Die eigentliche städtebauliche
Dominante der Nationalstraße ist das gegenüber dem Cafe Slavia
liegende Nationaltheater (Narodril divadlo) mit seinem modernen
Erweiterungsbau, der Neuen Szene (Nova Scena) - das Symbol der
tschechischen nationalen Wiedergeburt schlechthin. Der Grundstein wurde
eigens aus dem Gestein des Berges Rip, dem mythischen Stammsitz des
Urvaters Cech, gemeißelt. Am 15.Juni 1883 erlebte das von Josef Zitek
entworfene Theater mit Smetanas Oper "Libuse" seine triumphale
Eröffnung, doch bereits im August desselben Jahres fiel es einem Brand
zum Opfer. Kaum zwei Jahre später war es wieder aufgebaut. Die
finanziellen Mittel für den Bau wurden zum größten Teil durch private
Spenden aufgebracht. Doch während man beim ersten Mal Jahrzehnte für
die Sammlung gebraucht hatte, flossen die Spenden beim zweiten Anlauf
schneller. Die trotzigen Tschechen wollten beweisen, daß sie in der
Lage waren eine Bühne zu finanzieren, auf der in ihrer Sprache
gesprochen wurde, und so steht an der Front des Gebäudes "Narod
sobe" - "Die Nation sich selbst".
Dank geschickter
Restauratorenhände präsentiert sich das Nationaltheater heute wieder
wie an seinem Eröffnungstag.

Das Manes-Haus
Entlang dem Moldauufer
Von der Legionsbrücke eröffnet
sich ein überwältigendes Panorama: Flußabwärts reicht der Blick von
Smetana-Ufer mit dem Smetana-Museum über die Karlsbrücke und die
Kleinseite bis zum Hradschin mit dem majestätischen St.-Veits-Dom; flußaufwärts
bis zum Vysehrad, dem sagenumwobenen Stammsitz der Stadtgründerin
Libuse. Der Mittelpfeiler der Legionsbrücke ruht auf der Schützeninsel
(Strelecky ostrov), auf der im Mittelalter die Schützenhilfe ihre
Wettbewerbe auszutragen pflegte. Kaum weniger geschichtsträchtig ist
die nur wenige Meter flußaufwärts gelegene Slawische Insel (Slovansky
ostrov), 1848 wurde hier der Slawenkongress abgehalten. Auf der
Slawischen Insel gibt es heute ein pompöses Ballhaus sowie einen weitläufigen
Biergarten, in dem an Sommerabenden schon mal ein Spanferkel über
offenem Feuer gegrillt wird.
Die Moldaupromenade wird von
prächtig geschmückten Bürgerpalais im Stil des Ekklektizismus und der
Sezession gesäumt. Bis 1930 stand am Masaryk-Ufer (Masarykovo nabrezi)
auch die Sitka-Wassermühle, von der nur noch der Turm übrig geblieben
ist. An ihrer Stelle wurde das Manes-Haus benannt nach dem
Landschaftsmaler Josef Manes (1820-1871) errichtet, das den
bedeutendsten Ausstellungssaal Prags für moderne Kunst beherbergt.
St.Kyrill und Method
Die Resslova führt zum
Karlsplatz (Karlovo namesti), vorbei an der Kirche St, Kyrill und Method.
Das Gotteshaus erlangte 1942 traurige Berühmtheit: Die tschechischen
Fallschirmspringer, die wenige Tage zuvor das tödliche Attentat auf den
stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich ausgeführt hatten,
versteckten sich in der Kirche. Der Unterschlupf der Widerstandskämpfer
wurde verraten, den Nazis gelang es dennoch nicht, ihrer habhaft zu
werden. Als sie die Kirche unter Wasser setzten, begingen die Verfolgten
Selbstmord. Bis heute ist ein kleines Fensterchen an der Kirchenfront
zur Resslova mit frischen Blumen geschmückt, die an die Toten erinnern.
Der
Karlsplatz
Mit 500m Länge und 150m
Breite ist der Karlsplatz (Karlovo namesti) der größte Platz Prags. Er
spielt eine zentrale Rolle bei der städtebaulichen Vision Karls IV. In
seiner Mitte ließ der Kaiser einen (nicht erhaltenen) Holzturm
errichten, in dem jedes Jahr die Krönungskleinodien und seine
Requiensammlung ausgestellt wurden.
Das
Fausthaus
Am Südrand des Platzes, an
der Straße Vysehradska, steht das sogenannte Fausthaus (Faustuv dum;
Nr.40), ein Bau der Spätrenaissance, der im 18. Jahrhundert
barockisiert wurde. Seinen Namen hat es zwei Chemikern zu verdanken, die
hier ihre Versuche durchführten: Edward Kelly und Ferdinand Antonin
Mladota. Beide inspirierten den Volksmund zu der Legende, Dr. Faustus hätte
in diesem Haus um der Entdeckung naturwissenschaftlicher Geheimnisse
willen seine Seele dem Teufel verschrieben.
St.
Ignatius
Den wichtigsten sakralen
Baukörper am Karlsplatz bildet die Kirche St. Ignatius (Kostel sv.
Ignace) an der Ecke zur Jecna ulice. Erbaut wurde sie 1665 bis 1668 vom
kaiserlichen Baumeister Carlo Lurago als Bestandteil eines
Jesuitenkollegs (heute Poliklinik). Das Portal schmückt eine Statue des
Namenspatrons. Das Innere besticht durch herrliche Stuckaturen.
Das Neustätter Rathaus
Dominierendes Bauwerk am
Karlsplatz ist das Neustätter Rathaus (Novomestska radnice). Vermutlich
um 1348 begonnen, erstreckte sich die Errichtung über mehrere Etappen.
Der älteste Teil ist der Ostflügel mit den Ratsräumen. Es folgte der
Südflügel mit den Amtsstuben, der im 16. Jahrhundert im Stil der
Renaissance umgebaut wurde. Das gleiche Schicksal widerfuhr dem massiven
Eckturm aus den Jahren 1451-1456. Eine umfassende Umgestaltung des
Ensembles im Empirestil wurde 1906 rückgängig gemacht, so daß das Gebäude
heute wieder das Aussehen von 1526 hat. 1419 trat das Rathaus durch den
Ersten Prager Fenstersturz ins Rampenlicht der Geschichte.

Das U-Fleku
Das
U Fleku
In einer Gasse hinter dem
Rathaus wartet ein Höhepunkt jeder Pragreise - das U Fleku, ein
traditionsreiches Bierlokal mit schönem Innenhof. Das Prager Brauhaus
begrüßt den Gast durch eine Uhr, auf der die Ziffern durch den Namen
des Hauses ersetzt sind. Das hat einen guten Grund: Wer das erste süffige
Dunkle hinter sich hat, braucht sich für den Rest des Tages nicht mehr
viel vorzunehmen.
Ein Projekt
von
Sabine Meißner
Mandy Busch
Nicole Scheibe
Julia Schuster
Kristina Brieger
(MT 98 A)
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