Mein Praktikum bei JUMP
Kerstin Weichert


Mein vierwöchiges Praktikum vom 28.08. bis 22.09.2000 habe ich beim Mitteldeutschen Rundfunk - JUMP - in Halle absolviert. Nachdem der mdr-Hörfunk acht Jahre lang in Leipzig (Kantstraße 71-73) stationiert war, zog die Anstalt des Öffentlichen Rechts Anfang dieses Jahres (am 01.01.) nach Halle an der Saale in die Gerberstraße 2. Dort nimmt er mit seinen Programmbereichen INFO, KULTUR, SPUTNIK und JUMP das moderne, mit fünf Etagen kaum übersehbare Glasgebäude im Halleschen Zentrum Nähe Marktplatz genau gegenüber der Polizeiwache ein. Am 01. Januar 2000 wurde der eher seriöse Radiosender mdr-LIFE zur Massenwerbewelle JUMP umfunktioniert und soll jetzt vor allem das junge Publikum zwischen 20 und 40 Jahren ansprechen. Das Motto des Öffentlichen Rundfunksenders lautete bis Mitte September 2000 "JUMP - Es geht lauter!", und wurde dann in den noch peppiger wirkenden Slogan "JUMP - Es geht NOCH lauter!" umgewandelt. Neben den Hauptfunktionen, die Hörer zu unterhalten, zu informieren sowie zur Meinungsbildung beizutragen, setzt JUMP Schwerpunkt auf Aktualität jeglicher Sensationen in den Bereichen Sport, (-> zum Beispiel Siege der Deutschen bei den Olympischen Spielen), Musik bezüglich Neuheiten der aus dem JUMP-Programm bekannten Interpreten), Kultur beispielsweise in Bezug auf die EXPO in Hannover) und mehr oder weniger alltäglichen Ereignissen, die Interesse bei der genannten Zielgruppe wecken könnten. Oft werden hier sogar Meinungsumfragen durchgeführt und auf Statistiken gebaut, wenn die Interessensbreite der Zielgruppe nicht klar auszumachen ist. Außerdem wird in der Programmgestaltung besonders großer Wert auf die Verkehrsinformation in Bezug auf Blitzer und Staus gelegt. Hierfür werden Großaktionen gestartet, wie die derzeitige Major-Promotion "Abgeblitzt", die die Hörer vor Abzocke durch Starkästen schützen, nicht aber zum Rasen anregen soll. JUMP hat sich zum Ziel gesetzt, nah an den Hörer zu gelangen. Aus diesem Grunde wird grundsätzlich bei interaktiven Telefongesprächen, Interviews oder ähnlichen Hörerkontakten der Ansprechpartner ge"du"zt, wenn es nicht dessen persönlichem Wunsch widerspricht. Genauso läuft es innerhalb des Senders ab - die Mitarbeiter sprechen sich ausnahmslos mit Vornamen und "DU" an, auch der Chef Michael (Schiwak) nimmt sich dabei nicht als Ausnahme. Diese "Regelung" schafft ein sehr familiäres und freundschaftliches Arbeitsklima, bei dem sich keiner einem anderen gegenüber großartig untergeordnet fühlt und welches ich sehr zu schätzen lernte. Auch ich als Praktikantin wurde entgegen meinen Erwartungen wie eine gleichwertige Mitarbeiterin behandelt und in die zu erfüllenden Aufgaben eingebunden, die ich aus genau diesem Grunde dann auch mit sehr viel Spaß und Freude erfüllen konnte. Wie selbstverständlich wurde von mir bereits vom ersten Moment des Praktikums an erwartet, dass ich an den täglichen Vormittagssitzungen, in denen das am vergangenen Tag gelaufene Programm ausgewertet sowie die am Tag der Besprechung zu erwartenden Beiträge und Moderationen geplant wurden, teilnehme und mitwirke. Meinungen, Vorschläge, Kritik und Anregungen meinerseits wurden wie auch die von den anderen Mitarbeitern dankend angenommen und sich merklich damit auseinandergesetzt. Hauptsächlich war ich in der redaktionellen Servicearbeit tätig und wurde für alle möglichen anfallenden Vorbereitungen, Recherchen, Produktionen und ähnliches eingesetzt. Meine Arbeitszeit war grundsätzlich festgelegt auf fünf Tage die Woche von 09.00 bis 18.00 Uhr, variierte allerdings fast täglich um mindestens eine halbe Stunde in Abhängigkeit davon, wieviel zu tun war. Musste eine Arbeit innerhalb kürzester Zeit fertiggestellt werden, da sie sozusagen programmfüllend kurzfristig eingeplant wurde, konnte es schon passieren, dass man sie erst nachmittags in Auftrag bekam und somit länger mit der Arbeit beschäftigt war. Genauso gab es aber auch Abende, an denen ich die Redaktion eher verlassen konnte, wenn gestellte Aufgaben erfüllt waren. Alles in allem kann man sagen, dass sich diese Verschiebungen weitestgehend ausglichen.

Schon an meinem ersten Praktikumstag nahm man sich ungewöhnlich viel Zeit für mich. Von einer Redakteurin wurde ich im Sender herumgeführt, in diverse, auf mich zukommende Tätigkeiten kurz eingeführt sowie im Rahmen des bis dahin bereits möglichen auf an mich gestellte Erwartungen hingewiesen und vorbereitet. Im Groben wurden mir technische Geräte sowie die von JUMP genutzten Computer-Programme gezeigt und erklärt, und nach kurzem Kennenlernen des digitalen DIRA - Schnittsystems bekam ich bereits die Gelegenheit, mich beim Schneiden eines ersten Projektes - noch unter Anleitung und Hilfestellung - zu üben. In den kommenden Tagen erhielt ich dann Einblicke in die Reportertechnik. Mir wurde die Aufnahme von O-Tönen ( = Originaltöne ) per DAT-Cassette bei einer Straßenumfrage nahegebracht, und im sogenannten B-Studio machte man mich mit der Aufnahme diverser Telefoninterviews vertraut. Desweiteren wurde ich - tiefgreifender, als es meine Kenntnisse bis zu diesem Zeitpunkt hergaben - in den Umgang mit Internet bezüglich Recherchearbeiten eingewiesen. Ich beschäftigte mich im redaktionellen Bereich des Senders mit der Vorbereitung der Morningshow, arbeitete bei den Überlegungen von Fragemöglichkeiten an die Teilnehmer beim "Teamspiel" mit, half bei der Erstellung von Beiträgen für das Wochenende und sammelte Material bzw. Fakten über von JUMP vorgestellte Hallenser Sportlerinnen, mit denen ich dann zur weiteren Informationsfindung gleich zum Teil auch telephonisch Interviewtermine vereinbarte. Ich wurde in diesen ersten sieben Tagen also langsam an die redaktionellen Arbeitsweisen sowie technische Abläufe und Vorgehensweisen allgemein herangeführt und gewöhnt, um mich ab der zweiten Woche voll und ganz selbständig auf die mit einer Redakteurstätigkeit verbundenen Aufgaben "stürzen" und konzentrieren zu können. Im weiteren Verlauf meines Praktikums fiel es mir dann nicht mehr schwer, eigene sogenannte "Quicktips" (-> das sind kurzgefaßte Tips für die Hörer zu einem bestimmten Thema wie zum Beispiel >Blutspende - was muss ich beachten?< ) zu recherchieren, zu schreiben, dazu 0Töne von Fachleuten bzw. Spezialisten zu sammeln, diese auf ein verwendbares Minimum zusammenzuschneiden, und im Anschluss einmal als 30- und einmal als 90-sec.-Clip zu produzieren. Hierbei war es für mich sehr wertvoll, radiotypische Begriffe wie BUMPER ( = kurze Einführung sprachlicher und musikalischer Art - in Form eines feststehenden, immer wieder verwendeten Takes - in einen meist bekannten, für das Programm typischen, unmittelbar darauf folgenden Clip, wodurch dieser definiert wird), TRENNER ( = plötzlicher, sehr kurzer Einspieler / Ton zur Abgrenzung von z.B. zwei Abschnitten innerhalb eines Textes), BETT ( = musikalische Unterlegung des Gesprochenen) oder STINGER ( = Art Auflösung des Clips; an dessen Ende eingespielter Abschluss zum Teil mit für Clip nötigen Hinweisen zu weiteren Informationsmöglichkeiten bzw. Quellen wie Internet oder ähnliches) nach ihrer Bedeutung zu erfragen und zu lernen. Zudem musste zum Schluss für jeden einzelnen Quicktip eine Internetfassung erstellt werden, die noch intensiver möglicherweise aufkommende Fragen klären sollte und aus diesem Grund noch ausführlicher als in den ausgestrahlten Hörfunkversionen zu gestalten war. Diese - wie bereits erwähnt in drei Formen verfassten Quicktips (-> kurz, lang, Internet), welche dementsprechend natürlich viel Zeit und Arbeit in Anspruch nahmen, wurden von mir in der Art und Weise fertiggestellt, dass sie letzten Endes nach "Absegnung" eines CVD's (Chef vom Dienst) als sendefertige Beiträge gespeichert werden konnten. Auch mit Meinungsumfragen war ich nach bereits ein bis zwei Eigenversuchen durchaus vertraut. Schnell hatte man herausgefunden, bei wem man zu den verschiedenen Themen am günstigsten zur Frage ansetzen kann, wo man seinen Umfrageort wählt, was man beachten muss. Ganz besonderen Spaß brachte mir auch die Materialsammlung zum "Ma-Donna-stag", einem Donnerstag, an dem sich anlässlich der Veröffentlichung ihrer neuen Platte alles um das Leben, die Musik, die Vergangenheit, den Star Madonna drehte. Die "legendäre" Ausrufung dieses Tages war es sogar der BILD-Zeitung wert, in der darauffolgenden Ausgabe darüber zu berichten.

Weiterhin wurde ich beauftragt, persönliche Interviews zu führen, so zum Beispiel auch mit dem Geschäftsführer der Möbel Walther-Filiale in Halle/Peißen, in welcher ein Original-Nachbau des Big Brother-Containers zu besichtigen ist - hervorgerufen durch die Tatsache, dass der Walther-Konzern sämliche Mobilarausstattung für die Erfolgs-Reality-Soap zur Verfügung stellt. Die Stellungnahme des mich herumführenden Leiters des Möbelcenters zu meinen Fragen bzw. jegliche Kommentare seinerseits wurden von mir auf DAT-Gerät festgehalten, und weitere, dort von mir gesammelte Eindrücke versuchte ich dann, in einem Kurzbericht kombiniert mit den aufgenommenen O-Tönen auf einen Punkt zu bringen. Nach der Hälfte meiner Praktikumszeit wollte ich auch mal an einem Wochenende das Leben und die Arbeit bei JUMP kennenlernen. Tatsächlich verschaffte mir dieser Beschluss so einige neue Perspektiven. Ich verbrachte beide Tage auf der Sendeetage in der Studioredaktion. Zwar war mir der Ablauf in diesem Moderations-Redaktionsbereich bereits vorgestellt worden, doch in einer derartigen Ausführlichkeit wie an diesem Samstag und Sonntag wäre es mir anderweitig kaum möglich gewesen, hier auch hintergründige Erfahrungen zu sammeln. So erstellte ich unter anderem aus frisch aus den Presseagenturen kommenden Komplexinformationen Kurznachrichten, welche aufgrund des Sendedruckes sehr zügig und hintereinanderweg vorbereitet werden mussten, um dann auch gleich zum Moderator weitergeleitet werden zu können. Auch die direkte Konzepterstellung für Moderationsvarianten gehörten für diese zwei Tage zu meinen Aufgabenbereichen, genau wie sämtliche Zuarbeiten für die Programmgestaltung hinsichtlich des "Olympia-Wochenendes". Hier wurden aufgezeichnete Interviews mit der Vor-Ort-Reporterin in Sydney mittels digitaler Schnitttechnik verkürzt. Außerdem mussten Highlights bezüglich deutscher Medaillengewinner auf Videoband aufgenommen und daraus wichtige Informationen und die ergreifendsten O-Töne der Sieger herausgefiltert werden. Innerhalb der darauffolgenden, für mich letzten Woche wiederholte sich dann ein Großteil der mir bis dahin gestellten Aufgaben, wie zum Beispiel telephonische Interviewführung, Recherchearbeiten, Erstellung von Quicktips oder aber Meinungsumfragen. Doch auch jetzt noch gab es weitere neue, sehr interessante Tätigkeiten für mich, die mir zugetragen wurden. Für den kommenden Samstag + Sonntag war das "TRIO - Wochenende" geplant, bei dem es um das Vorstellen von Dreier-Kombinationen aus der Musik- und Filmbranche ging - so zum Beispiel Tic Ttic und Trac; Die Olsen-Bande; Bryan Adams, Sting, Rod Steward (All for one) sowie Tic Tac Toe. Ich befasste mich mit letztgenannter Gruppe. Im Internet suchte ich nach Fakten über die deutschen Rapperinnen und deren turbulente Vergangenheit und fand im Archiv Material über das durchaus berühmt gewordene "Trennungsinterview" der Drei, bei dem sich jede einzelne der Band wie ein trotziger Teenie verhielt, aber auch böseste Beschimpfungen nicht fehlen durften. Aus allen gesammelten Infos schrieb ich einen direkten wie auch bissigen Text, (genau wie meine Aufgabenstellung auch lautete), ließ ihn von den dafür ausgebildeten RVD's ( = Redakteur vom Dienst) einsprechen und wählte außerdem die passende Hintergrundmusik für diesen Clip aus. Doch auch wenn all diese Kenntnisse, die ich bei JUMP sammeln durfte, und all das Wissen, das ich auf so fesselnde Art vermittelt bekam, meine Begeisterung für eine spätere Tätigkeit beim Radio bereits bestätigten, bleibt mir besonders eine Erfahrung wohl am dauerhaftesten in Erinnerung: meine ersten eigenen Sprechversuche vor dem Mikrophon. Zunächst wurde ich lediglich gebeten, einige kurze Textpassagen für ein Promo einzusprechen, doch an meinem letzten Praktikumstag nahm sich eine in diesem Metier sehr erfahrene Redakteurin für mich die Zeit, einen von mir zuvor geschriebenen Quicktip selbst einmal aufzunehmen. Hierbei gab sie mir unglaublich wertvolle Tips, wie zum Beispiel, dass man lächeln sollte beim Sprechen, um den Text freundlicher klingen zu lassen. Diese Sprechversuche half sie mir so weit zu perfektionieren, bis sie der Meinung war, es könne durchaus produziert werden und für spätere Bewerbungen von mir genutzt werden. Aus diesem Grunde schnitt ich mein Material im DIRA-Word sozusagen als Abschlussarbeit nochmal zusammen, legte Bett, Bumper, Trenner und Stinger darunter und ließ es mir auf CD brennen. Abschließend also muss ich festhalten, dass mein Praktikum mir sehr viel gebracht und vermittelt hat, unheimlich großen Spaß machte, und ich es nur jedem empfehlen kann, bei JUMP sein Praktikum zu absolvieren.

Meine Tätigkeiten bei JUMP auf einen Blick:
  • redaktionelle Arbeit => Vorbereiten, Schreiben, Produzieren von Beiträgen -> vor allem "Quicktips" (z.B. zum Thema Blutspende)
  • nach kurzer Einarbeitung Arbeiten im Dira Word-Schnittsystem -> z.B. Schneiden von O-Tönen olympischer Medaillen-Gewinner
  • persönliche Interviewführung z.B. mit Möbel Walther-Geschäftsführer bzgl. Mobilarausstattung des Big Brother-Containers
  • telephonische lnterviewführung - z.B. mit Kandidaten für Expo-Extra-Tag => Aufzeichnen im B-Studio
  • Interviewvereinbarungen + z.B. mit Dipl.-Psych. Hr. Schmitz (= Caster der Big Brother-Kandidaten)
  • Umfragen (Umgang mit dem DAT-Reportagegerät, Zugehen auf Menschen) + z.B. zum Thema Heizkosten Internetrecherchen -> z.B. für Ma-Donna-stag
  • Erstellen von Kurznachrichten aus Komplexinformationen (im Studio, am Wochenende) Konzepterstellung für Moderator -> bzgl. Sylvie Liebsch-Kommentaren aus Sydney
  • "Der olympische Quickie am Morgen" -> Vorbereitung (Wer wird beschrieben?... Sammeln von Fakten über Sportler)
  • "Doppeldecker" -> Zusammenstellen von Details über Musikpaare Vorbereitung des JUMP^3 - Wochenendes Erstellen von Clips über berühmte Trios (Recherche, Materialsammlung, Schreiben....
  • "Teamspiel" -> Recherchearbeit
  • erste Versuche (unter Anleitung), Beiträge selbst zu sprechen
 
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